iFön

Kürzlich ist mir eine Geschichte passiert, die ich für reichlich absurd halte und die meiner Ansicht nach ein ziemlich schlechtes Licht auf Apple wirft. Damit auch andere erfahren, wie die Lösung zu dem Problem aussah, schreibe ich diesen Post.

Was war passiert?
Ich hatte bei eBay ein iPhone 4S geschossen, um es zu verschenken. Es kam in sehr gutem Zustand an. Als es dann über iTunes aktiviert war, stellte ich fest, dass sich das WLAN nicht aktivieren ließ. Der Button war ausgegraut und hatte keine Funktion.

Der erste Weg führte natürlich zu Google und dort musste ich feststellen, dass der Suchstring “iPhone 4S WLAN” gleich mit “… geht nicht” ergänzt wurde. Ich war also nicht allein mit dem Problem. Aus den Forenbeiträgen (die meisten davon aus dem Januar 2013) wurde schnell klar, dass es irgendwie mit dem Update auf iOS 7 zu tun haben musste. Die meisten Erklärungsversuche waren allerdings ziemlich hanebüchen. Einige glaubten an ein Hardware-Problem mit einem durch iOS 7 überlasteten WLAN-Chip.

Es gab dort auch viele Vorschläge wie “mach einen Factory-Reset”, “setze die Netzwerkeinstellungen zurück”, “mach eine Systemwiederherstellung”, usw. Ich habe das alles erfolglos ausprobiert. Der Button blieb grau.

Auch in den genannten Forenbeiträgen berichteten viele von der Erfolglosigkeit dieser Versuche, gaben dann auf und suchten im nächsten Apple-Store Hilfe. Dort erklärte man ihnen in der Regel, dass das Problem absolut unbekannt, die zwölfmonatige Garantie um sei und man dort für rund 220 Euro eine Reparatur durchführen lassen könne. Es gibt wohl auch Firmen, die sich auf die Reparatur dieses speziellen Fehlers spezialisiert haben.

Bei der Recherche bin ich mehrmals über Seiten gestolpert, die behaupteten, man könne das Problem mit einem Fön(!) beseitigen. Als Informatiker in einer Halbleiterfirma fiel es mir ehrlich gesagt schwer, das zu glauben. Einige äußerte die Theorie, man könne mit dem Fön kalte Lötstellen reparieren. Das ist aber Blödsinn. Die Temperatur, die dabei erreicht wird, reicht dafür nicht annähernd aus. Renommierte Fachmagazine warnten dann auch vor “dubiosen Anleitungen”, die im Netz kursieren und um die man gefälligst einen Bogen machen sollte.

Ich stieß dann auf die folgende Seite: How to Fix Wi-Fi Greyed Out on iPhone 4S in iOS 7
Die Theorie dort war, dass der Fehler durch absichtliches Auslösen des Temperaturalarms korrigiert werden könnte. Ich habe es dann in meiner Verzweiflung probiert und siehe da: es hat funktioniert.

Eines der größten Probleme des iPhones ist, dass es weder einen Hardreset kennt oder die Möglichkeit gibt, den Akku mal eben rauszunehmen und damit alles stromlos zu bekommen. Das klassische “did you try to turn it off an on again” geht so also nicht so einfach. Ich vermute, dass der Temperaturalarm dies in diesem Fall für den WLAN-Chip erreicht. Beim Update auf iOS 7 wird durch einen Bug vermutlich irgendein Register falsch beschrieben, was zu dem Fehlverhalten führt. Der Temperaturalarm schalten den Chip ab, um ihn vor Schäden zu schützen, löscht somit diesen fehlerhaften Inhalt und beim nächsten Start wird das Register korrekt neu beschrieben und alles geht wieder.

Das ist wie gesagt nur eine Vermutung. Laut Apple existiert das Problem ja bis heute nicht. Solche Dinge können nur Privatleute rausfinden und nicht eine Multimilliardendollar-Firma, die alle Konstruktions- und Schaltpläne besitzt – schon klar.

Kurz gesagt: Es ist eine Frechheit, wie Apple mit diesem Problem umgeht. Wer weiß, wie viele von diesen iPhones schon in Applestores mit einem Fön im Hinterzimmer repariert wurden und dann dem Apple-Jünger 220 Euro für diesen “großen Reparaturaufwand” abgeknöpft wurden.

Die Aussagen sind natürlich ohne Gewähr. Wer das probiert, macht das auf eigenes Risiko. Wem das sprichwörtlich zu heiß ist, kann natürlich auch weiterhin Apple mit Geld für die Reparatur beglücken. Bei mir hat’s geklappt.

Kategorien:Uncategorized

Meine Musik geht online

Von Mitte der 90er an hatte ich einige Jahre lang als Mitglied des Brainvibes-DJ-Teams die Techno-Clubs im Norden Deutschlands unsicher gemacht und einiges an eigener Musik (Hardtrance und Progressive House) unter den Pseudonymen “Navigate“, “Tranceport 23” und “DJ Andrum” produziert. Eine (unvollständige) Liste der Platten (damals noch auf schönem Vinyl) findet man bei discogs. Zwei Musikvideos hatten wir damals auch gemacht, von denen eines sogar auf Viva lief. Vielleicht erinnert sich noch der eine oder andere an die Sendung “Housefrau“.

Damals hatte ich Verträge mit drei verschiedenen Labels, einem Musikverlag und natürlich mit der Gema. Ohne Labels konnte man damals keine Musik veröffentlichen. Das Internet als Vertriebskanal für Musik gab es zu der Zeit noch nicht wirklich.

Als dann meine beiden Kinder das Licht der Welt erblickten, war dann erst einmal Pause mit dem wilden Club-Leben und auch die Zeit für Musikproduktionen war nicht mehr wirklich da. Seit einigen Jahren produziere ich aber wieder fleißig und habe mein Studio aufgerüstet, mag mich aber aus politischen Gründen nicht mehr mit der Gema anfreunden. Ohne Gema-Mitgliedschaft ist es aber praktisch unmöglich, einen Plattenvertrag zu bekommen. Deshalb habe ich jetzt beschlossen, meine Musik einfach sukzessive auf Soundcloud hochzuladen.

Den ersten Track habe ich am letzten Wochenende veröffentlicht. Von nun an wird jeder Samstag zu einem “Navigate Saturday“ mit jeweils einer neuen Veröffentlichung. So, watch out for the hashtag #NavigateSaturday. ;)

Stilistisch geht es quer durcheinander. Mal mache ich eher ruhigere Trance-Tracks, dann wieder ein wenig House, Minimal, Techno oder Acidlastiges. Das eine oder andere Mal findet auch eine meiner Gitarren den Weg in die Produktionen oder ich lasse mich zu Eurodance-Produktionen hinreißen. Lasst Euch also überraschen, was da kommt. Wenn Euch mal eine Stilrichtung nicht gefällt, kann es gut sein, das das nächste Stück schon wieder ganz anders daherkommt. Die Labels haben damals in Genre-Schubladen gedacht. Davon möchte ich mich ehrlich gesagt befreien.

Zur Technik: Angefangen hatte ich wie viele Musiker aus dem Bereich auf dem Amiga Anfang der 90er und habe später die Platten dann hauptsächlich mit einem Kurzweil K2000 und einer analogen Bassline produziert. Mittlerweile mache ich alles nur noch mit Propellerhead Reason und einem Haufen Rack Extensions. Reason benutze ich schon seit Version 1.0 und im Laufe der Jahre ist daraus eine absolut geniale Audio Workstation gereift, die ich nur empfehlen kann.

Um die Tracks nicht zu verpassen, könnt Ihr mir bei Soundcloud oder Twitter folgen. Über Feedback, Lob oder konstruktive Kritik zu den Tracks freue ich mich natürlich jederzeit.

Kategorien:Musik

Über die Sichtbarkeit der Piraten

September 9, 2013 3 Kommentare

Es gibt ja öfter mal den Vorwurf, wir Piraten wären nicht wirklich sichtbar. Stellvertretend für viele Diskussionen, die ich deswegen schon geführt habe, möchte ich hier einfach mal zwei Antworten auf meine kürzlichen Anfragen zitieren.

Am Tag vor der Wahl veranstaltet das Rotteck Gymnasium in Freiburg eine Podiumsdiskussion unter dem Titel “nachgefragt spezial”. Da ich als Kandidat der Piraten nicht eingeladen bin, habe ich nachgehakt. Gerade an Gymnasien kamen unsere Themen immer gut an, was durchaus auch schon dazu führte, dass ich Probeabstimmungen nach der Diskussionrunde gewonnen hatte. und die folgende Antwort bekommen:

Sehr geehrter Herr Martens,

herzlichen Dank für Ihre Kontaktaufnahme und Ihre Nachfrage bezüglich unserer Veranstaltung am 20.09.
In der Vorbereitung des Abends haben wir sehr lange über die Zusammensetzung auf dem Podium nachgedacht. In Anbetracht unserer Erfahrung und der Tatsache, dass zwei Schülerinnen diese 90 Minuten moderieren, war uns bewusst, dass wir einen einigermaßen überschaubaren personellen Rahmen benötigen. Aus diesem Grund haben wir uns dafür entschieden, nur die Kandidaten der bereits im Bundestag vertretenen Parteien einzuladen. Eine Erweiterung darüber hinaus würde dazu führen, dass eine Begründbarkeit der Teilnahme der einen Partei und eine Nicht-Teilnahme einer anderen Partei nicht erklärbar wäre.

Mit der Bitte um Ihr Verständnis senden wir herzliche Grüße und wünschen viel Erfolg für die anstehende Bundestagswahl.

Herzliche Grüße

Die Badische Zeitung hat derzeit eine Serie über die Direktkandidaten in Freiburg. Ich habe nachgefragt, wann ich als Piratenkandidat an der Reihe bin. Dies ist die Antwort:

Sehr geehrter Herr Martens,

vielen Dank für Ihre Mail. Bei Wahlen ist es für eine Zeitung immer schwierig, wen sie aus der Gruppe der Bewerber vorstellt und wie. Allein in Freiburg kandidieren zwölf Wahlkreisabgeordnete um die Erststimme. Sie alle auf einer ganzen Seite im Kandidatencheck vorzustellen, wäre uns rein schon aus Kapazitätsgründen nicht möglich. Einige kandidieren ja auch jenseits jeder Chance, von den Wählerinnen und Wählern eine meßbare Anzahl Stimmen zu bekommen.

Deshalb mussten wir grundsätzlich überlegen: Was kann das Kriterium für die Kandidatenchecks sein? Nach längerer Diskussion hat die Vorbereitungsgruppe zur Wahlberichterstattung entschieden, dass nur solche Kandidaten vorgestellt werden sollen, die Parteien angehören, die im Bundestag vertreten sind. Das gilt für alle Redaktionen der BZ im gesamten Verbreitungsgebiet.
Abseits des Kandidatenchecks gilt jedoch: Die anderen Kandidaten werden wir ebenfalls vorstellen, wenn auch nicht so ausführlich. Meine Kollegin Simone Höhl wird sich deshalb noch mit Ihnen in Verbindung setzen.

Ich weiß, dass gerade die Piraten auf dem Sprung sein könnten und interessant für viele Wähler sind. Ich hoffe, Sie können unsere Überlegungen trotzdem nachvollziehen. Wenn wir bei den Piraten von der Linie der Redaktion abweichen, kämen – zurecht – andere Kandidaten und würden sich beschweren.

Gerne können wir nochmal telefonieren oder mailen, wenn Sie Fragen oder Anregungen haben.

Freundliche Grüße

So nachvollziehbar die oben aufgeführten Argumente auch sein mögen – sie zementieren die derzeitige politische Landschaft und machen es für Newcomer schwer, die Standpunkte darzulegen.

Über den DGB, der sich ja auch hartnäckig weigerte, mich als Kandidat anzuhören, habe ich ja schon ausführlicher gebloggt.

Podiumsdiskussion im Martin Schongauer Gymnasium Breisach

Juli 17, 2013 3 Kommentare

Momentan geht es mit den Podiumsdiskussionen Schlag auf Schlag. Heute fand eine im Martin Schongauer Gymnasium in Breisach statt. Im Gegensatz zur gestrigen Diskussion im Rieselfeld war diese nicht nur von Schülern vorbereitet worden, sondern fand in Kooperation mit der Badischen Zeitung statt.

Gernot Erler, SPD, war krankheitsbedingt leider verhindert, aber ansonsten waren alle Wahlkreiskandidaten da.

Nach ein paar einleitenden Worten hatte alle Kandidaten zwei Minuten Zeit, sich kurz vorzustellen. Danach ging es direkt in die Themen.

Im ersten Themenblock ging es um Jugend, Bildung und Netzpolitik.

Es wurde gefragt, welche Parteien für die Senkung des Wahlalters sind. Ich habe vorgerechnet, dass man aufgrund der vierjährigen Legislaturperiode ein Durchschnittsalter von 20 Jahren bei den Erstwählern hat und dies deutlich zu spät ist, sich politisch zu beteiligen. Hingewiesen habe ich auch darauf, dass man nicht früh genug damit beginnen kann, Schüler an demokratische Prozesse wie z.B. bei der SMV heranzuführen.

Nächstes Thema war G8/G9. Ich wies darauf hin, dass das G8 meiner Ansicht nach hauptsächlich aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus eingeführt wurde. Man spart Geld bei der Bildung und hat zusätzlich den angenehmen Effekt, dass die Menschen früher auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Deshalb habe ich für das G9 oder zumindest eine Wahlfreiheit plädiert.

Danach ging es direkt zum Thema Netzneutralität, bei dem nur ich als Pirat befragt wurde. Ich verwies auf die Absichten der Drosselkom (der Begriff kam gut an, den kannte dort noch keiner) und erläuterte in dem Zusammenhang, warum man bei der Drosselung auf Deep Packet Inspection zurückgreifen wird und was das bedeutet.

Danach kam ein kurzer Einspieler, bei dem auf Slides die Wahlaussagen der Parteien zu ausgesuchten Themen gegenübergestellt wurden. Ich wurde zweimal direkt gefragt, weil man sowohl bei unseren Bildungsplänen, als auch bei unseren Urheberrechtsplänen Widersprüche zu sehen glaubte. Ich konnte das relativ einfach aufklären.

Weiter ging es mit dem Themenfeld Energie und Umwelt. Dort ging es um das EEG, Fessenheim, Speicherprobleme beim Strom und den Einfluss schlecht regelbarer Kraftwerke auf den Ausbau erneuerbarer Energien. CDU und FDP wollten den Ausbau bremsen, während die anderen Parteien den Erneuerbaren deutlich aufgeschlossener gegenüber standen.

Dann kam der Block Arbeit und Soziales. Wir diskutierten über Mindestlohn, Tariflöhne und die Armutsschere. Der Moderator fragte die Kandidaten, ob sie der Ansicht seien, dass das Vermögen gerecht verteilt ist. Insbesondere der CDU-Kandidat von Marschall eierte bei der Antwort extrem herum. Der Moderator hakte deshalb nochmals explizit nach, indem er fragte, ob er den Status quo für gerecht hält oder nicht. Es folgte ein weiteres Rumgeeiere. Glücklicherweise durfte ich direkt nach ihm ans Mikro und erläuterte an diesem Beispiel, woher die Politikverdrossenheit kommt. Man fragt einen Politiker eine geschlossene(!) Frage, die man mit einem einfach ja oder nein beantworten könnte und erhält nur ausweichende Antworten. Da war Stimmung im Publikum.

Sascha Fiek von der FDP hackte auf den Steuerplänen der Grünen herum. Als Beispiel führte er den Durchschnittslohn von 30000 Euro an und argumentierte, dass man als Paar dann ja schon 60000 Euro hätte und damit direkt durch die grünen Steuerpläne zur Kasse gebeten würde. Auch hier konnte ich punkten, indem ich das als Taschenspielertrick entlarvte. Gerade CDU und FDP haben doch dafür gesorgt, dass man Kinder nur schwer ganztags betreuen lassen kann und demnach ist es unredlich, zwei Vollzeitverdiener in einer Familie zu unterstellen. An dieser Stelle wurde ich dann auch etwas lauter.

Gerade bei der FDP fand ich heute sehr unangenehm, dass dieselbe Platte mit Argumenten gegen die grüne Schulpolitik wie schon gestern gespielt wurde, obwohl Sascha Fiek schon gestern eines Besseren belehrt wurde. Naja, geholfen hat es ihm nicht.

Am Ende durfte jeder noch kurz erläutern, warum man gerade ihn wählen sollte. Ich sagte, dass eine Demokratie nur gesund bleibt, wenn sie einem kontinuierlichen Prozess der Erneuerung unterworfen ist. Deshalb braucht man gelegentlich neue Parteien. Wer einen Staat möchte, der den Bürgern vertraut und sie nicht überwachen will und wer keine Vorratsdatenspeicherung, Bestandsdatenauskunft, Zensur und keine Verletzung von Netzneutralität haben möchte, sollte uns Piraten in den Bundestag wählen. Wir vertreten die Generation Internet.
Wer eine starke Kraft gegen prekäre Arbeitsverhältnisse haben möchte, die sich gegen den Missbrauch von Leiharbeit, Werkverträgen und Praktika ausspricht, der sollte die Piraten wählen. Wir sind die Vertreter der Generation Praktikum.

Nach der Runde gab es einen (leider nicht geheimen) Wahlgang, indem man seinem Lieblingskandidaten eine Stimme geben sollte, indem man einen Aufkleber auf eine Tafel mit den Kandidaten klebt. Davon hingen mehrere im Raum, hier ein Beispiel:

Wahlzettel Breisach

Nach einer Auszählungspause wurden die Ergebnisse verkündet. Genaue Stimmenanzahlen wurden nicht genannt, sondern nur die Platzierungen. Auf dem letzten Platz landete erwartungsgemäß die FDP. Auf dem 5. Platz waren die Linken, die nicht wirklich bei jungen Leuten mit ihren Themen und ihrer Art, diese zu präsentieren ankommen. Platz 4 war für die SPD, wobei man der Fairness halber sagen muss, dass die Vertretung von Gernot Erler nicht auf seinem Niveau spielte. Auf Platz 3 war die CDU. Dann wurde es spannend und man berichtete von einem Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz 1. Auf Platz 2 landete Kerstin Andreae von den Grünen. Das hätte ich beim besten Willen nicht erwartet, denn damit war ich auf Platz 1. Ein verdammt gutes Gefühl, auch wenn ein solches Meinungsbild alles andere als repräsentativ ist. Wie ich schon im letzten Blogpost schrieb, kommen unsere Themen gut an. Wir müssen sie “nur” vermittelt bekommen.

Deshalb vielleicht als kleine Hommage an Kattaschas Reden: Verdammt nochmal, es hat richtig viel Spaß gemacht. ;)

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Podiumsdiskussion am Kepler-Gymnasium Freiburg

Juli 16, 2013 1 Kommentar

Ich wollte nur kurz von der Podiumsdiskussion am Kepler-Gymnasium Freiburg berichten, bei der ich heute war.

Gut zusammengefasst wird das in folgender Grafik (sorry für den merkwürdigen Aufnahmewinkel, aber ich saß halt direkt vor der Leinwand):

Wahlergebnis Kepler Gymnasium

Es gab zwei Pseudo-Wahlgänge. Die Schüler sollten beim Hereinkommen einen Wahlzettel ausfüllen und ankreuzen, was sie denn wählen würden, wenn heute BTW wäre (rote Balken). Das gleiche Spiel wurde nach der Diskussion gemacht (blaue Balken).

Das Piraten-Ergebnis:
vorher: 10,6 %
nachher: 28.6 %

Linke (2,5%) und FDP (1%) waren unter ferner liefen.

CDU ging von 15 auf 5 Prozent runter, SPD blieb in etwa gleich bei 18%, Grüne verloren rund 10 Prozent, hatten aber auch extrem viel Vorschusslorbeeren mit einem Startwert von 52%.

Fazit: Es hilft, mit Leuten über die Piratenpositionen zu sprechen. Es sind nicht unsere Themen oder Standpunkte, die irgendjemanden abschrecken würden. Wenn man uns nicht wählt, ist das in vielen Fällen einfach die Unkenntnis dessen, wofür wir überhaupt stehen.

Die Themen waren ein ziemliches Heimspiel: Netzpolitik und Erneuerbare Energien. In beiden Feldern sind wir enorm gut aufgestellt und das haben die Schüler gemerkt. Beim Thema Energie konnte ich mit ziemlich vielen konkreten Fakten vor allem zur Windkraft aufwarten, weil ich als kleiner Kommanditist von regiowind eine Menge mitbekommen habe, wie bei solchen Projekten die Finanzlage ist. Bei Netzpolitik haben die Schüler Sachkompetenz von uns erwartet, bei Energie waren sie überrascht.

Ich habe uns am Ende dargestellt als die notwendige Erneuerung, die eine Demokratie braucht. Wie stehen wie keine andere Partei für die Interessen der Generation Internet und der Generation Praktikum.

Alles in allem war es eine von den Schülern sehr gut vorbereitete Veranstaltung, die viel Spaß gemacht hat. Uns hilft dabei auch sehr, dass wir den Wahlkampf nicht so verbissen angehen müssen. Während andere Parteien versuchen, ihre Position zu halten, weil Mandate dranhängen, können wir ganz entspannt sein. Wir können nur gewinnen und nichts verlieren. Da darf man dann auch mal selbstironisch antworten. ;)

Kategorien:Uncategorized

Offener Brief an MdB Armin Schuster (CDU)

Sehr geehrter Herr Schuster,

ich habe soeben den Artikel „Hört, hört!“ aus der heutigen Ausgabe der Zeitung „Der Sonntag“ gelesen. Dieser beschäftigt sich mit dem US-Abhörskandal und dort lässt man auch Sie als Kandidaten der CDU im Landkreis Lörrach und Bundestagsabgeordneten zu Wort kommen.

Sie werden dort mit den folgenden Worten zitiert: „Wir sind für unsere Sicherheit abhängig von Informationen, die mit Mitteln gewonnen werden, die unserem Rechtsverständnis widersprechen.“

Ich muss sagen, dass mich diese Aussage schier entsetzt. Ein Innenpolitiker wie Sie ist also der Ansicht, dass man für unsere „Sicherheit“ den Rechtsbruch anderer Staaten – in diesem Fall der USA – mit Wohlwollen sieht, weil das deutsche Konzept der inneren Sicherheit sich darauf verlässt – nein, sogar abhängig davon ist, Informationen auf diese Weise zu erhalten? Geht’s noch?

Heißt das, dass Sie auch Erkenntnisse aus Folterverhören in Abu Ghuraib oder Guantanamo für essentiell für die deutsche Sicherheit halten? Diese Methoden widersprechen schließlich auch unserem Rechtsverständnis und man gewinnt auf diese Weise zahlreiche Informationen.

Herr Schuster, Sie sind von deutschen Bürgern gewählt worden, ihre Interessen zu vertreten. Wenn Staaten wie die USA aus unserer Sicht rechtswidrig handeln, indem sie uns ausspähen, dann haben Sie diesem Umstand entgegenzutreten und ihn nicht auch noch lobend zu erwähnen!

Der zweite Satz, mit dem Sie zitiert werden, lautet: „Wir müssen unsere eigenen Dienste erheblich aufrüsten.“

Nein, das müssen wir nicht. Wir sind nicht mehr im kalten Krieg und das, was Ihre Partei immer als Terrorgefahr beschwört, ist verglichen mit allen anderen Lebensrisiken verschwindend gering. Einen noch weiter aufgerüsteten Geheimdienst, der letztendlich abgekoppelt von jeder Rechtsstaatlichkeit operiert, braucht niemand.

Mit freundlichen Grüßen
André Martens
Kandidat der Piratenpartei im Wahlkreis Freiburg

Podiumsdiskussion beim DGB in Müllheim

Juli 3, 2013 3 Kommentare

Nachdem ich im vorigen Beitrag meinen Ärger über den DGB Ortsverband Freiburg zum Ausdruck gebracht habe, muss ich jetzt auch mal ein Lob aussprechen – nämlich für den DGB Markgräfler Land. Dieser hat gestern eine Podiumsdiskussion im Bürgerhaus Müllheim veranstaltet und – Surprise – uns Piraten eingeladen. Als Vertreter für Max Kehm, der eigentlich dort Kandidat ist, aber keine Zeit hatte, bin ich dann dort gewesen.

Moderiert wurde der Abend von Udo Grotz vom DGB. Geladene Gäste waren Tom Grein (Die Linke), Thilo Levante (FDP), Thomas Mengel (SPD), Ina Rosenthal (Bündnis 90/Grüne), Armin Schuster (CDU) und ich . Der kleine Saal des Bürgerhauses Müllheim war gut gefüllt.

Die Veranstaltung war in mehrere Runden aufgeteilt.

In der ersten Runde stellte Udo Grotz jeweils eine Frage an jeden Kandidaten, der daraufhin fünf Minuten Zeit bekam, sich selbst vorzustellen und auf die Frage einzugehen. Tom Grein (Die Linke) wetterte über die Schere zwischen Arm und Reich, die sich immer weiter öffnet und stellte die These auf, dass prekäre Beschäftigung von der Regierung so gewollt ist. Thilo Levante (FDP, übrigens wie ich Informatiker) äußerte sein Unverständnis darüber, dass es Manager mit Millionengehältern gebe. Es sei richtig, dass man mehr bekomme, wenn man mehr leiste, aber hier sei einiges in Schieflage geraten. Ich wurde gefragt, woher es kommt, dass viele Menschen von ihrem Job nicht leben könnten. Ich sprach über die Generation Praktikum, Leiharbeit, Werksverträge und sagte, was man konkret z.B. im Betriebsverfassungsgesetz ändern müsste, um hier eine Verbesserung zu bekommen. Auch die Notwendigkeit eines Mindestlohns sprach ich an, damit Geschäftsmodelle mit Niedriglöhnen nicht auch noch von der Allgemeinheit subventioniert werden. Außerdem stellte ich unsere Vision eines BGE vor.

Thomas Mengel (SPD) vertrat die Meinung, dass die Agenda 2010 aus damaliger Perspektive notwendig war. Deutschland sei der kranke Mann Europas gewesen. Durch die Agenda 2010 und die Lohnzurückhaltung der Gewerkschaften sei Deutschland wieder zur „Lokomotive Europas“ geworden. Ina Rosenthal (Bündnis 90/Grüne) wurde zur Problematik der Armutsrentner befragt und sprach über die Forderung einer Mindestrente von 850 Euro. Zur Frage nach der Rente mit 67 sprach sie von notwendiger Differenzierung zwischen den verschiedenen Berufen – einige könne man länger als andere ausüben. Sie ging auf die grünen Steuerpläne ein und merkte an, dass ein Staat nur das Geld ausgeben könne, das er einnehme. Armin Schuster (CDU) vertrat die Ansicht, dass sich der Staat so wenig wie möglich in den Arbeitsmarkt einmischen solle. Lohnabschlüsse seien Sache der Tarifpartner. Er rühmte sich damit, dass die CDU einen Mindestlohn von 8,19 € für Leiharbeiter durchgesetzt hätte und dass es jetzt schon Equal Pay gäbe. Leiharbeit wäre bestens geeignet, um Langzeitarbeitslosen Perspektiven im 1. Arbeitsmarkt zu vermitteln. In den letzten 8 Jahren sei die Zahl der Arbeitslosen von 4,9 auf 2,8 Mio gesunken (Einwurf aus dem Publikum: „Das sind doch alles prekäre Jobs!“). Er stichelte ein wenig gegen die Sparaussagen von Frau Rosenthal, weil die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg doch gerade das Gegenteil mache und mit einem ausgeglichenen Haushalt erst in 2020 rechnen würde.

In der zweiten Runde sollten wir dann explizit Stellung nehmen zu den Aussagen der anderen. Zunächst waren wieder Linke und FDP dran. Beide gaben eher allgemeine Beiträge zur politischen Gesamtsituation zum Besten. Ich hielt mich an die Aufgabe und wandte mich zunächst an Herrn Mengel. Sein Bild von Deutschland als der Lokomotive Europas griff ich auf, gab ihm Recht, fügte aber hinzu, dass diese Lokomotive quer durch die Vorgärten der europäischen Nachbarländer gepflügt ist. Wir sind meiner Ansicht nach zum Teil Schuld an den Krisen in Griechenland und Spanien. 2009 hatten wir ein Konjunkturprogramm für unsere Exportindustrie gefahren, indem wir es den heutigen Krisenländern besonders einfach gemacht haben, den Kaufpreis von Gütern aus deutscher Produktion anschreiben zu lassen. Deshalb sind wir zur Hilfe verpflichtet. Eine Generation ohne Perspektive ist ein idealer Nährboden für Rechtsextremismus. Hier müssen wir aufpassen! Aus unserem Grundsatzprogramm zitierte ich den schönen Satz “Europapolitik ist keine Außenpolitik”.

Durch niedrige Lohnstückkosten sind wir praktisch zum Dumpinglohnland innerhalb Europas geworden. Tom Grein musste sich von mir anhören, dass ich es bedenklich finde, dass Sarah Wagenknecht quasi mit Rechtspopulismus auf Stimmenfang geht, weil sie Angst vor südeuropäischen jungen Menschen schürt, die in Deutschland eine Ausbildung anfangen möchten. Armin Schuster ging auf mein Argument ein und zitierte Barroso, der angeblich gesagt habe, dass die südeuropäischen Länder Party gefeiert hätten, während Deutschland eine Reform nach der anderen durchgeführt hat. Mit Erschrecken musste ich feststellen, dass es aus dem Publikum einiges an Zuspruch für diesen Rechtspopulismus gab. Kommentare wie „Ja, so sind sie, die Griechen!“ konnte man dort hören. Traurig. Herr Schuster sagte übrigens auch, dass nach Erkenntnissen der Hans Böckler Stiftung die Schere zwischen Arm und Reich schon ganz von allein kleiner werde. Deutschland sei ein Sozialstaat, der immerhin 40% seines Haushalts für Sozialleistungen ausgebe. Ich konterte damit, dass wir immerhin 11% für Rüstung ausgeben, die man sicherlich besser anlegen kann. Außerdem mahnte ich an, dass wir multinationalen Unternehmen die Steuerflucht schwerer machen müssten, um mehr Steuereinnahmen zu generieren. Als Beispiel nannte ich Firmen wie Apple – Konzerne, die praktisch nirgendwo auf der Welt wirklich Steuer in signifikantem Umfang zahlen. Frau Rosenthal forderte die Abschaffung der 450 €-Jobs und mehr Menschlichkeit in den Arbeitsagenturen. Herr Levante verstand nicht, was denn an der Wirtschaft, so wie sie ist, nicht funktionieren würde.

In der letzten Kandidatenrunde sorge ich für etwas Aufruhr, indem ich meine letzte Minute dafür nutzte, auf ein ganz anderes Thema zu springen. Armin Schuster ist nämlich Innenpolitiker im Bundestag und hatte uns vor der Diskussion erzählt, dass er in Kürze nach Berlin müsse, um dort an einer Sondersitzung zu Edward Snowden teilzunehmen. Ich nutzte daher die Gelegenheit, ihn auf dem Podium zu bitten, für eine Aufnahme von Snowden zu stimmen. Im Saal gab es viel Zuspruch für meine Forderung. Der Moderator bat mich allerdings darum, beim Thema Sozialpolitik zu bleiben. Ein Zuschauer rief: „Das ist doch auch Sozialpolitik – auch wenn es nur um einen Menschen geht.“ Das Thema bewegt die Menschen derzeit überall. Keine Ahnung, ob es OK war, die Veranstaltung dafür zu nutzen, aber ich konnte nicht anders.

Am Ende gab es noch eine Fragerunde für das Publikum, die allerdings die meisten eher für eigene Statements nutzten. So gab es die Forderungen nach einem Reichtumsbericht, nach Gewerkschaften für Reinigungskräfte und nach bezahlbarem Wohnraum. Es folgten Schilderungen von schlimmen Arbeitsbedingungen von Werksverträglern in der Fleischbranche und persönliche Geschichten über die Schwierigkeit, als Mensch über 50 noch einen neuen Job zu finden. Gerade in diesem Zusammenhang wurde Hartz 4 angeprangert, weil man erst staatliche Leistungen bekommt, wenn man all sein Erspartes aufgebraucht hat. Weiterhin wurde bemängelt, dass der Lagerwahlkampf bei den großen Parteien eher zu einem solchen stilisiert wird, aber keine wirkliche Wahl existiere.

Allgemein kann man sagen, dass die Veranstaltung sehr interessant war. Die Kandidaten gingen respektvoll miteinander um, stellten aber deutlich ihre unterschiedlichen Meinungen zur Schau. Hierbei nochmals ein Dankeschön an den DGB Markgräfler Land, dass er uns Piraten bei der Einladung berücksichtigt hat, obwohl der DGB-Bundesverband die Empfehlung ausgesprochen hatte, nur Bundestagsparteien einzuladen.

Interessant war dann noch das Feedback der Zuschauer nach der Veranstaltung mir gegenüber. Einer wollte mich gern in der SPD sehen, um die Partei von innen zu erneuern. Ich lehnte dankend ab. ;) Ein anderer warf mir vor, dass er immer noch nicht wüsste, was wir Piraten eigentlich wollen. Er wüsste jetzt nur, was ich will. Ich erklärte, dass das deckungsgleich sei. Das reichte ihm aber nicht. Vermutlich muss man bei jeden zweiten Satz sagen: „Und deshalb Piraten wählen!“. Keine Ahnung, ob man das so machen muss. Ich werde mal drüber nachdenken. Ich hätte eigentlich gedacht, das sei selbsterklärend, wenn man als Piraten-Kandidat in Piraten-Hemd vor einem Schild mit der Aufschrift Piraten sitzt. ;)

Kategorien:Piratenpartei, Politik
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