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Die Piraten und das Leistungsschutzrecht

Das Setting
Am 22.01.2013 hatte ich das Glück, von einem Journalisten-Verein eingeladen zu werden, um in einem Hintergrundgespräch ein wenig über die Piraten und ihre Ziele zu plaudern. Zwei Tage zuvor hatten wir Piraten mit nur 2,1 % ein enttäuschendes Wahlergebnis in Niedersachsen eingefahren. Deshalb war ich erstaunt, dass doch sehr viele Interessenten erschienen waren. Es hätte ja sein können, dass viele das Thema Piraten schon innerlich abgehakt hätten.
Nach vielen anderen Themen und Diskussionen über die Zukunft der Piraten kam erwartungsgemäß das Thema Urheberrecht und dabei vor allem das Leistungsschutzrecht zur Sprache.

Die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Informationen

Heutzutage kann es sich praktisch keine Zeitung mehr leisten, keinen Internet-Auftritt zu haben, wenn sie ein großes Publikum erreichen will. Immer mehr Kunden erwarten, ihre Zeitung beim Frühstück auf dem Tablet lesen zu können, anstatt stapelweise Papier zu horten. Auch unterwegs greift man inzwischen lieber zum Smartphone als zur Papierzeitung. Man kann dort nämlich im Gegensatz zum Print die Artikel-Links gleich mit Freunden teilen und auch direkt per Kommentarfunktion Leserbriefe verfassen. Zudem ist die Aktualität im Netz einfach größer. Es entsteht der Eindruck, dass man im Print oftmals nur noch lesen kann, was schon gestern im Netz zu lesen war. Nichts ist aber so langweilig wie der Twitter-Stream von gestern.

Die Sorgen der Branche
Das Hauptgeschäftsmodell für die Nachrichtenseiten im Netz ist bislang die Finanzierung über geschaltete Werbung. Je nach Zeitung sind diese Einnahmen aber eher dünn und Ad-Blocker leisten ihren Zusatzbeitrag, dass am Ende beim Erzeuger der Information nichts mehr ankommt. Die Internet-Angebote als Addon sind daher oftmals defizitär. Vielen Zeitungen macht dies zu schaffen. Einige, wie die Financial Times Deutschland, sind mittlerweile pleite. Angst geht um in der Branche.

Der Google-Neid
Während die Zeitungen überlegen, wie sie in dieser veränderten Welt an Geld kommen könnten, verdient Google sich eine goldene Nase. Google verlinkt mit dem Aggregator Google-News auf die Zeitungen, die die Leser oftmals erst über diesen Weg dorthin bringen. Eine Symbiose sozusagen. Google schaltet auf den News-Seiten zwar keine Werbung, verfolgt damit aber die Strategie, Kunden über diesen Weg an die zahlreichen anderen Dienste zu binden, die Google anbietet.
Es ist daher nachvollziehbar, dass die Zeitungen einen gewissen Neid auf diese Gewinne entwickeln. Sie möchten ein Stück vom Kuchen abhaben und werfen Google vor, ein parasitäres Dasein zu führen.

Die eigentlich einfache Lösung
Im Grunde wäre es für die Zeitungen aber ganz einfach, Google auszusperren. Ein passender Eintrag im robots.txt-File und Google ignoriert die Inhalte. Dumm nur, dass dann niemand mehr dorthin finden würde. Die Zugriffe würden sinken, die Werbeeinnahmen brächen weiter ein. Deshalb macht das niemand.

Die Forderung nach einem Leistungsschutzrecht
Mit einem neidischen Blick auf die Musikbranche, die ihr Heil darin sucht, Urheberrechtsverletzer mit drakonischen Strafen zu überziehen (was auch nach hinten losgehen kann, wie man derzeit an den sinkenden Erlösen der Musikbranche in Japan sieht), möchte man nun eine eigene Regelung. Wer Texte einfach so plagiiert und damit womöglich noch Geld verdient, soll dafür zahlen. Die Erstellung journalistischer Texte ist zeit- und kostenaufwändig. Dieser Wunsch ist also nachvollziehbar.

Die Unschärfe
Das Problem bei einer etwaigen Regelung im Rahmen eines Leistungsschutzrechts ist die Unterscheidung zwischen Plagiat und Zitat. Diese lässt sich kaum verbindlich festschreiben. Eine Seite wie bildblog.de zitiert in der Regel nur, um Fehler im jeweiligen Artikel nachzuweisen und dies mit Quellen zu untermauern. In der oben genannten Diskussion war die Meinung der Journalisten, dass das auch mit dem Leistungsschutzrecht natürlich erlaubt sei.
Ich fragte dann, wo genau die Grenze zu ziehen wäre. Reicht es, einen Link auf das Original beizusteuern? Google macht das ja. Prinzipiell könnte man aber komplette Kopien von Nachrichtenseiten anlegen und dann eben Links einstreuen. Was ist mit Formulierungen, die nur rein zufällig denen eines anderen Presseartikels entsprechen? Ab welcher Länge des Zitats wird es kritisch? Einer der Journalisten warf ein, dass man es so halten könne, wie in der Musikbranche. Dort sei das Kopieren bis zu 8 Takten erlaubt. Dumm nur, dass eine solche Regel nicht existiert und sich nur als Urban Legend hartnäckig hält. In der Musikbranche ist es der Wiedererkennungswert, um den es geht.
Wer entscheidet also, was Plagiat und was Zitat ist? Die Antwort seitens eines der anderen Journalisten war: ein Richter. Und genau hier liegt das Problem. Angenommen ein kleiner Blogger setzt sich kritisch mit einem Artikel auseinander und hat plötzlich Post aus der Rechtsabteilung eines großen Medienkonzerns im Briefkasten. Das schnelle Einknicken wäre vorprogrammiert. So gut wie niemand, der mit seinem Blog eigentlich kein Geld verdienen will, geht das Risiko von hohen Vertragsstrafen ein.

Chilling Effect
Eines der Hauptprobleme mit unscharfen Verboten und Regeln ist der Chilling Effect. Als Blogger, der nun mitbekommen hat, wie andere die Segel gestrichen haben, weil sie Angst vor einem Rechtsstreit hatten, fangen an, im eigenen Kopf die Schere anzusetzen. Die Bild-Zeitung hat mal wieder Quatsch geschrieben? Ich würde gern dazu was schreiben? Vielleicht lieber doch nicht. Das würde eh nur Ärger geben. Man schränkt also langfristig auf diese Weise die Meinungsfreiheit ein. Das ist vielleicht von den Journalisten nicht gewollt, aber ein unvermeidlicher Nebeneffekt.

Gefahren der technischen Umsetzung eines Leistungsschutzrechts
Angenommen, man würde doch eine klare Regel finden, wie Plagiate von Zitaten unterschieden werden könnten. Dann bräuchte man immer noch Mittel, dieses Verbot auch in der Praxis durchzusetzen. Wie wehre ich mich also als Zeitung dagegen, dass meine Inhalte auf einem Server in den USA liegen, auf den jemand womöglich über einen Anonymizer-Dienst schreibend zugegriffen hat? Um das technisch in den Griff zu bekommen, käme man um Deep Packet Inspection nicht herum: Datenpaket abfangen, aufmachen, reinschauen, wieder zukleben und weiterschicken. Das analoge Äquivalent hatten wir in unserer Geschichte schon einmal. Das war aber nicht in Westdeutschland und ich denke, das will keiner wieder haben.

Die vielleicht etwas radikale Gegenposition
Als die Diskussion eine wenig schärfer wurde, sagte ich, dass man im Grunde eine radikale Gegenposition vertreten könne. Etwas ketzerisch stellte ich die Frage, was denn zuerst da war: das Internet als Infrastruktur zur freien Kommunikation, das zumindest theoretisch einen Atomkrieg überleben sollte oder die Zeitungen, die ihre Inhalte nun in eben diesem Netz anbieten? Niemand hat die Zeitungen dazu gezwungen, vom Print ins Netz zu wechseln. Das taten sie in der Regel freiwillig. Wenn man nun aber kein tragfähiges Geschäftsmodell für ein neues Medium hat und es aber trotzdem versucht, hat man keinen Anspruch darauf, dass das Engagement gewinnbringend ist. Es ist vermessen, dann einfach nach dem Staat zu rufen, der dann mit neuen drakonischen Gesetzen einen Profit für die Zeitungsbranche garantieren soll.

Hausgemachte Probleme
Die Zeitungen haben die gegenwärtige Kostenloskultur beim Lesen von Nachrichten selbst erzeugt. Erst über Jahre hinweg dem Leser Texte zum Nulltarif zur Verfügung zu stellen, macht es nun schwer, zu Bezahlmodellen zu wechseln. Man muss als Kunde schon sehr loyal sein, um bei der Umstellung auf eine Bezahlpflicht nicht einfach zur kostenlosen Konkurrenz zu wechseln. Und seien wir mal ehrlich. Ein großer Anteil der Nachrichten kommt über die Agenturen in die Zeitungen. Ob man nun eine dpa-Meldung bei Zeitung A oder B liest, ist eher irrelevant. Gerade, wenn man sich also mehr für überregionale Themen interessiert, ist der Wechsel zu einem kostenlosen Angebot einfach.

Piraten nur Überbringer der schlechten Nachricht
Als Pirat habe ich natürlich wegen der Sorge um die Freiheit im Netz und die Privatsphäre gegen das Leistungsschutzrecht argumentiert. Gern ist man daher in der Zeitungsbranche der Ansicht, die Piraten seien die Gefahr für ihr Geschäftsmodell. So ist es aber nicht. Wie sind nur die Überbringer der schlechten Nachricht. Kein Gesetz kann den Trend aufhalten, dass aus einer ehemaligen einseitigen Erzeuger- und Konsumentenverbindung eine neue Welt entsteht, in der jeder sowohl Konsument als auch Produzent von Informationen ist. Schon heute gibt es viele bedeutende Blogger, die eine mit Zeitungen vergleichbare Reichweite haben. Das System ist außer Kontrolle geraten und lässt sich nicht wieder einfangen. Die Zahnpasta ist aus der Tube. Wir Piraten möchten im Grunde nur verhindern, dass im Überlebenskampf überholter und für das Netz ungeeigneter Geschäftsmodelle die Freiheit des einzelnen auf der Strecke bleibt. Wir zeigen die Gefahren auf und versuchen, sie zu verhindern. Mehr nicht.

Ausblick
Die Zeitungsbranche steht vor einem gewaltigen Umbruch und damit vor einem schwerwiegenden Problem. Wie findet man rechtzeitig ein Geschäftsmodell, das am Ende ein Internet-Angebot trägt, während in ferner Zukunft der eigentlich dazugehörige Papierdruck eingestellt wird und somit nicht mehr wie heute für eine Quersubventionierung sorgen kann? Helfen da Paywalls? Pay-as-much-as-you-want-Modelle? Mechanismen wie Flattr? Erhöhung der Werbeeinnahmen? Hier wird schon fleißig experimentiert. Ob sich das Problem lösen lässt, wird sich zeigen.

Die Notwendigkeit
Es ist zu hoffen, dass die Suche nach neuen Geschäftsmodellen gelingt. Der Journalismus als vierte Macht im Staat ist unverzichtbar. Zwar ist gerade im Bereich der Politikberichterstattung in vielerlei Hinsicht derzeit aufgrund der Aufmerksamkeits-Klick-Ökonomie eine erschreckende Boulevardisierung zu verzeichnen, aber im Endeffekt läuft es darauf hinaus, dass ein Freizeitblogger nur selten die Mittel hat, wirklich investigativ zu berichten oder gar in Krisengebieten Informationen zusammen zu tragen. Es muss aber andere Wege geben, als den gefährlichen Weg eines Leistungsschutzrechts einzuschlagen. Hier sind wir alle gefragt. Der Staat hat zwar nicht die Aufgabe, Geschäftsmodelle zu retten, aber wir tun alle gut daran, eine funktionierende vierte Macht zu erhalten. Wichtig wird hierbei sein, bei den Bürgern die Bereitschaft zu wecken, für diesen Dienst zu zahlen. Freiwillig – ohne Zwang und ohne Grundrechtseinschränkungen.

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  1. Januar 24, 2013 um 10:49 pm

    Im ersten Satz ist ein Fehler: Vermutlich meinst du den 22.1 (sic!).

    • Januar 24, 2013 um 10:54 pm

      Danke für den Hinweis. Ich hab’s korrigiert. Immerhin habe ich es im Januar schon geschafft, das richtige Jahr hinzuschreiben. 😉

  2. Mellanie
    Januar 24, 2013 um 11:16 pm

    Könntest du das auch so schreiben das alle Leute die kaum mit dem Internet zu tun haben,das auch verstehen ?
    Wenn ich nur ne einfach Hausfrau wäre die aber gern und viel Zeitung liest würde ich trotzdem nur 40% von dem verstehen was du hier schreibst.

  3. Januar 24, 2013 um 11:30 pm

    Das „Leistungsschutzrecht“ hat halt nur mit dem Internet zu tun. Darf z.B. eine Zeitung eine bezahlte Lizenz dafür verlangen, dass andere das im Internet weitergeben, was diese Zeitung im Internet veröffentlicht?

  4. Mellanie
    Januar 24, 2013 um 11:43 pm

    Nur weil es nur mit dem Internet zu tun hat darf es mich als Zeitungsleserin nicht interessieren oder besser noch muss ich es gar nicht verstehen ?
    Sorry aber wenn die Piraten weiter mit solch einer Fachsprache verständigen.Dann sehe ich mich als Wählerin und auch als Konsumentin leicht verarscht.

    • Januar 24, 2013 um 11:59 pm

      Mmh. Ich habe mir größte Mühe gegeben, das Problem, das die Forderung nach dem Leistungsschutzrecht hat, verständlich zu beschreiben. Wo genau ist der Text denn unverständlich? Ich könnte dann gern was ergänzen.

  5. Januar 24, 2013 um 11:50 pm

    Reblogged this on SunnyRomy.

  6. Mellanie
    Januar 25, 2013 um 12:41 am

    Was ist ein Blogger,was ist eine Kostenloskultur,was meinen sie mit all dem was bei „Die eigentlich einfache Lösung“ von ihnen erklärt wird das verstehe ich auch nur Bahnhof.
    Was heißt Chilling Effect,Was sind Paywalls,Was heißt Boulevardisierung ?
    Was heißt Deep Packet Inspection ?…… allgemein verwenden sie sehr viele ausländische begriffe die ich noch nie gehört habe.
    Warum sind digitale waren etwas anderes als Analoge oder eigentlich echte Ware ?

    Tut mir ehrlich Leid da sind bestimmt noch mehr Dinge die ich nicht kenne.
    Ich bin nun 52 Jahre alt,habe 3 Erwachsene Kinder und Arbeite nun schon seit 31 Jahren im Einzelhandel und seit 5 Jahren als Filialleiterin einer großen Kette.

    Aber wenn ich versuche mich bei Themen der Piratenpartei mal ein zu lesen,scheint es so als würden sie eine völlig andere Sprache sprechen,als wenn sie alle einen völlig anderes Leben führen würden als das was meine 3 Jungs so machen,die schließlich ja ihrem Altersdurchschnitt entsprechen müssten.
    Ich weiß nicht was sie glauben für wen sie so was verfassen.Aber für mich als Wählerin die nicht Mitglied bei der Piratenpartei ist,ganz sicher nicht.

    • Januar 25, 2013 um 1:25 am

      Entschuldigen Sie wenn ich mich da einmische, aber leider sehe auch ich das so, dass man bestimmte Themen eben nur bedingt vereinfachen kann. Für viele der Begriffe die sie oben nennen, gibt es gar keinen deutschen Begriff, weil das Internet im englisch-sprechenden Teil der Welt erfunden und geprägt wurde, und dadurch nur die englischen Begriffe übernommen wurden.

      Im Zweifelsfalle gibt es aber einen einfach Trick. Auf http://www.google.de gehen, und als entsprechenden Suchbegriff — „BEGRIFF“ Erklärung — eingeben. 😉 Macht zwar etwas Mühe, aber ehrlich gesagt, wenn ich im Bereich Wirtschaft o.ä. etwas nicht verstehe, muss ich mich ja auch in die Thematik einlesen. Und ich lerne so täglich selber jede Menge Neues über das Internet, etc

      Hier mal kurz die wichtigsten Begriffe erläutert:

      Blogger = ist eine Person die einen Blog betreibt. Ein Blog ist z.B. diese Seite hier. Blogger schreiben verschiedene Sachen: journalistische Artikel, kritische Artikel, manchmal einfach nur Memoiren aus ihren alltäglichen Leben, Philosophisches, oder aber auch literarisch wie ich selber z.B. Fiktion. Diese Texte sind kostenlos im Internet zugänglich.

      Chilling Effect: siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Chilling_effect

      Deep Packet Inspection = wird ja im Prinzip schon erklärt. Das Internet funktioniert indem permanent zwischen Ihrem Computer und verschiedenen Datenservern sogenannte „Datenpakete“ versendet werden. (Für genauere Funktionsweise des Internets oder Computer im Allgemeinen evtl. einen Kurs besuchen, da müsste das erklärt werden. Oder aber z.B. auch http://www.youtube.com gehen. Da gibt es superviele Erklärungen dazu. Ein Beispiel: http://www.youtube.com/watch?v=8PNRrOGJqUI )
      Besagte Datenpakete werden bisher nicht ausgelesen. Deep Packet Inspection hieße im Prinzip dass diese Datenpakete ausgelesen werden, d.h. jemand genau verfolgt was sie im Internet tun, herunterladen, welche Seite Sie anklicken, etc.

      Boulevardisierung = weg vom seriösen Journalismus, hin zum Sensationsjournalismus. Boulevardpresse ist zum Beispiel „Stars & Sternchen“, etc. Wenn also die Presse lieber über die Trennung von zu Guttenberg und seiner Frau schreibt, anstatt über wichtigere Themen, ist das ein treffendes Beispiel.

      Paywall = übersetzt „Bezahlwand“, bedeutet im Prinzip nichts anderes, als das eine Webseite ihren Inhalt nicht kostenlos zur Verfügung stellt. Daher: um den Inhalt anzuschauen, müssen Sie erst einen gewissen Betrag bezahlen, oder ein Monatsabo abschließen. Ein gutes Beispiel ist MAXDOME, wo Sie online Filme und TV-Serien anschauen können – bevor Sie darauf Zugriff erhalten, müssen Sie sich aber für eines der Abos entscheiden, oder aber über ein Nutzerkonto den Betreffenden Film kaufen.

      Hoffe das erklärt erstmal das wichtigste. Wie gesagt, ich google selber viel und oft, wenn ich in einem Artikel etwas nicht verstehe – denn das ist das Schöne am Internet: Zugriff auf eine riesige Menge an Informationen. 😉

  7. gehteuch nixan
    Januar 25, 2013 um 4:46 am

    Ich möchte jetzt nicht überheblich oder böse klingen, aber ich denke, daß wenn man etwas nicht versteht der erste Schritt wohl wäre sich selbst zu informieren. Dank Suchmaschine und Internet ist das auch ganz einfach: Wort markieren, rechte Maustaste auf das markierte Wort und z.B. den Eintrag „Google Suche nach ‚markiertem Wort‘ anklicken.

    Der erste Treffer dürfte meist Wikipedia sein und in 95% der Fälle weiß man dann was gemeint ist. Früher war es umständlicher, aber der Weg eigentlich der gleiche: Wort merken, Lexikon nehmen, nachschlagen.

    Natürlich kann ein Autor nur für sein Publikum schreiben und dieser Text macht in keinster Weise den Eindruck der Adressat wäre in den angesprochenen Themen völlig unbewandert. Quasi ein Piraten Artikel für etwas Fortschgeschrittene.

    Somit haben Sie mit Ihrem letzten Absatz völlig recht. Nur hat der Autor in aller Wahrscheinlichkeit auch nicht die Absicht verfolgt Sie, in der Rolle „…als Wählerin die nicht Mitglied bei der Piratenpartei ist…“ mit den Grundlagen der Diskussion vertraut zu machen.

    Also alles halb so wild, ganz ohne das EU Bildungsprogramm für lebenslange Lernen bemühen zu wollen, rate ich Ihnen eine Suchmaschine Ihrer Wahl mit den Suchbegriffen „Leistungsschutzrecht“, „Freiheit des Internets“ und Artikel über die Piratenpartei, vorzugsweise aus dem Jahr 2009, zu füttern.

    Die wirklich erhellenden Artikel erfordern wahrscheinlich wieder ein wenig Nachschlagearbeit aber vielleicht können in dem ein oder anderen Fall Ihre Kinder hilfreiche Antworten geben.

    In der Hoffnung Ihren Wissensdurst auf spannende Themen gelenkt zu haben und gleichzeitig einen interessierten Bürger zum baldigen Piratenwähler gemacht zu haben, wünsche ich ein schönes Wochenende.

  8. El Micha
    Januar 25, 2013 um 8:44 am

    Also so wie ich das Leistungsschutzrecht immer noch verstehe und mein lieblings Real Welt Analogie:
    Es ist in etwa so, dass ein Kiosk Besitzer der Zeitungen in der Auslage hat, für jeden Passanten der vorbei kommt und die Möglichkiet hat, die fetten Schlagzeilen zu lesen, Geld an den Verlag zahlt. !?

    • Tadi
      Januar 25, 2013 um 10:35 am

      Diese Analogie ist noch nicht ganz korrekt: Denn es muss ja gar kein Passant vorbei kommen um schon Zahlungspflichtig zu werden. Richtiger wäre die Analogie so:
      Ein Kiosk-Besitzer muss immer dann und an denjenigen bezahlen dessen Zeitung, Magazin etc. er in die Auslage stellt.

  9. Januar 25, 2013 um 1:08 pm

    Zu den Chilling Effects kann ich ein kleines Beispiel von mir selbst liefern: Ich hab jahrelang eine kleine Presseschau gebloggt. Ich hab bei meiner morgendlichen Surfrunde fleißig Artikel zu diversen historischen Themen versammelt, auf die ich so auf den entsprechenden Nachrichtenseiten gestoßen bin. Daraus habe ich dann täglich einen Blogbeitrag gemacht.

    Das war nicht viel Arbeit und fiel gewissermaßen bei der täglichen Arbeit eh an. Die Seite wurde mittelgut angenommen und hatte ca. 30 RSS-Leser. Ich hatte nicht viel Arbeit, die Leser bekamen jeden Tag interessante, thematisch genau zugeschnittene Links zu Artikeln geliefert und die Presseverlage bekamen ein paar Leser für diese Artikel zusätzlich. Super Sache.

    Ich hab das dann aber letztens genau wegen dem Leistungsschutzrecht und dem Verhalten einiger Verlage (SZ & FAZ hatten ja schon vorher gegen Commentarist.de geklagt) eingestellt. Meine kleine Seite fällt nämlich durchaus – obwohl sie privat betrieben wurde und werbefrei war – unter das Leistungsschutzrecht. Ich müsste dann also den Verlagen Geld dafür zahlen, dass ich sie verlinke. Das sehe ich aber schlicht und einfach nicht ein und das Geld nutze ich lieber für was anderes. Ich zahle jeden Monat die 5€ für meinen Server, das ist ok, aber ansonsten kaufe ich mir dann doch lieber 1-2 Bier in der Kneipe.

    Natürlich hätte ich das jetzt auch noch weiterbetreiben können, bis das LSR endgültig beschlossen ist. Aber irgendwie hat mich dann doch die Lust verlassen. Vielleicht würde ich auch gar nicht unter das LSR fallen, das große Problem ist aber, dass ich das nicht weiß. Weil das Gesetz völlig schwammig formuliert ist und daher erst durch diverse Klagen und Urteile irgendwie mit Inhalt gefüllt wird. Und genau diese Klagen kann ich mir schlicht und einfach nicht leisten – schon eine Abmahnung ist gerne mit Kosten irgendwo zwischen 500 und 1000€ verbunden. Das ist viel Geld. Wirkliche Klagen gegen große Verlage mit eigener Rechtsabteilung sind für mich als Privatperson schlicht und einfach nicht zu bezahlen. Und Streitwerte von mehreren Zehntausend Euro sind ganz schnell ruinös – selbst wenn ich das gewinnen würde, hätte ich während des Rechtsweges ganz, ganz schlecht geschlafen.

    Das ist eine Situation, bei der alle verlieren. Meine Leser müssen sich ihre Links jetzt selbst suchen, die Verlage bekommen weniger Besucher auf ihren Seiten und ich bin sauer. Daher gehört das LSR gekippt.

  10. Mellanie
    Januar 25, 2013 um 2:27 pm

    Ich finde es empörend das mit von manchen Menchen dummheit unterstellt wird und das ich aufgefordert werde selbst alles zu rechachieren was ich nicht verstehe.Bisher gab es kein Parteiprogramm von anderen Parteien wo man nicht schlüssig nachvollziehen konnt was gemeint war.

    Wenn sie mit allen interessierten wählen so umspringen wie mit mir ,ist mir nun auch klar warum sie bei meinem Kegelklub und auf meiner Arbeitsstelle so einen Schlechten ruf genießen.
    Ich hatte versucht sie zu verstehen aber sie verweisen mich auf google ,tut mir Leid aber meine 16 jährige Tochter kann mich auch auf google verweisen dafür braucht es nicht eine neue Partei.

    werde mich hier nicht mehr bemühen etwas noch zu schreiben.
    Schönen Tag noch ihnen allen.

  11. gehteuch nixan
    Januar 25, 2013 um 9:37 pm

    Ich hegte keinesfalls die Absicht Ihnen Dummheit zu unterstellen – nur Uninformiertheit und – verzeihen Sie – Bequemlichkeit. Sie verstehen einen Artikel nicht und suchen die Schuld gleich bei der Piratenpartei. Nun habe ich versucht Ihnen zu verdeutlichen, daß der Autor keine Übersicht oder Einführung in den Themenbereich des Leistungsschutzrechts geben wollte. Also zieht der Vorwurf nicht.

    Und jetzt, hier, an diesem Blogbeitrag und meinem vorsichtigen Bemühen Ihnen einen selbständigen Weg aus Ihren unbeantworteten Fragen aufzuzeigen, festzumachen, warum die Piratenpartei bei Ihnen und Ihrem Kegelclub einen schlechten Ruf genießt, ist doch etwas weit hergeholt. Ich bin mir sicher, daß es progressive Kegelclubs gibt, die den Piraten sehr wohlgesonnen sind. (Sollten Sie bei Ihrer weiteren Recherche zur Piratenpartei auf DEN Kegelclub stoßen, seien SIe bitte nicht überrascht, daß dort nicht gekegelt wird)

    Außerdem verwundert es mich, daß Sie die Lektüre von Wahlprogrammen anderer Parteien anführen. In vielen Fällen stehen dort nämlich nur inhaltsleere und schwammige Formulierungen (Z.B. das Wort „nachhaltig“ besagt erstmal nichts, solange es nicht von der jeweiligen Partei definiert wird). Aber vielleicht reden wir ja von verschiedenen Programmen, welche haben Sie denn gelesen?

    Jedenfalls bin ich untröstlich mit Ihnen einen vielleicht treuen Wähler vergrätzt zu haben und überlasse die weitere Kommunikation mit Ihnen gerne den nicht Empörung-heraufbeschwörenden-Piraten.

    Wünsche immernoch ein schönes Wochende

  12. Januar 26, 2013 um 1:34 am

    Stimme gehteuchnixan da vollkommen zu. Auch ich hatte keineswegs die Absicht, Sie als dumm zu bezeichnen – und ich denke auch nicht, das irgendeiner dies hier getan hat.
    Es wurde lediglich darauf verwiesen, wie leicht es ist, sich im Zeitalter des Internets selber in Themen einzulesen.

    Und meiner Ansicht nach verlange ich da von Ihnen nicht mehr als von mir selber auch. In der alltäglichen Welt gibt es vieles was ich nicht verstehe – jeden Tag aufs neue. Da habe ich nun 2 Möglichkeiten:
    1. die Leute anzumeckern, dass die Dinge so kompliziert sind –oder–
    2. mir die entsprechenden Infos anzueignen

    Und ich kenne viele Leute die das Letztere tun! Ich kenne auch viele die es nicht tun, und sich dann entsprechend mit „Infomaterial“ aus BILD Zeitung und Co. zufrieden geben müssen. Wenn man sich aber BEWUSST dazu entscheidet, es nicht zu tun – warum auch immer, sei es Faulheit, Zeitmangel, Desinteresse, oder was sonst – darf man sich auch nicht beschweren wenn andere einem das Fachwissen nicht kleingekaut wie Babynahrung vor die Füße legen.

    Und zur Klarstellung, ich habe mit der Piratenpartei nichts zu tun – bin selber lediglich Wählerin, die jeden Tag aufs Neue kämpft, um alles zu verstehen, was da draußen passiert.
    Deswegen finde ich es ungerecht, dass Sie dies gleich auf die Piratenpartei beziehen.

  13. Indigokraft
    Januar 26, 2013 um 4:51 pm

    Sehr guter Blogeintrag. Mich würde nun noch interessieren, wie das Gespräch zu Ende gegangen ist. Haben sich die Journalisten überzeugen lassen oder nicht?

    • Januar 27, 2013 um 10:28 pm

      Gute Frage. 😉 Ich glaube aber eher nicht. Vielleicht haben wir ja aber Glück und es beteiligt sich noch eine(r) der beteiligten Journalisten an dieser Diskussion. Den Link haben sie alle bekommen.

  14. Indigokraft
    Februar 20, 2013 um 2:43 am

    Schade, aber wenn das so leicht ginge, bräuchten wir keine Piratenpartei. Dann wird das dicke Brett eben weiter gebohrt.

  1. Februar 15, 2013 um 11:35 pm

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